Schieder und der „Eisenbahn-Baron“ – Eisenbahnfreunde Lippe erinnern an 150
Jahre Eisenbahn in Lippe

Die Eisenbahn erreichte 1872 Lippe. Der Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz
bedeutete für das kleine Fürstentum und für die Städte, durch die der Schienenstrang
verlief, große Veränderungen. Das ist jetzt 150 Jahre her und die Eisenbahnfreunde Lippe
erinnerten mit einer speziellen Führung am Bahnhof in Schieder an dieses für die Region
epochale Ereignis. Trotz schlechter Wetterprognose fanden sich etliche Interessierte ein und
erfuhren von den Gästeführern der Eisenbahnfreunde Lippe einiges aus der wechselvollen
Geschichte der Eisenbahn im lippischen Südosten.

„Wir feiern heute Geburtstag und der Jubilar ist noch erstaunlich rüstig. Heute vor 150 Jahren
kam die Eisenbahn nach Lippe und das verdanken wir diesem Herrn hier…“ führte Konrad
Soppa von den Eisenbahnfreunden Lippe in seinen einstündigen Vortrag ein. Dabei zeigt er ein
Bild des als Eisenbahnkönig bekannt gewordenen Bethel Henry Strousberg. Der Industrielle
verfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts seine Visionen eines europäischen Eisenbahnnetzes. Die
Hannover-Altenbekener Eisenbahn, an der Schieder als erster lippischer Bahnhof lag, war nur
ein Puzzle-Stein in Strousbergs Plänen, weiß Soppa.

Führung in Schieder auf historischem Gelände. Die Eisenbahnfreunde erinnerten in Lippe am Jubiläumstag als einzige an das denkwürdige Ereignis. (Foto: Klaus Schuler)

In ihren Ausführungen spannten die Eisenbahnfreunde den Bogen bis in die Jetztzeit. Dabei
erinnerten sie an den Bahnanschluss Blombergs ebenso wie an die ersten
Industrieansiedlungen im Schiederaner bahnhofsnahen Bereich.

Einen besonderen Schwerpunkt widmete der Referent dem 1984 abgerissenen historischen
Bahnhofsgebäude und seinen Besonderheiten. Dass das lippische Fürstenhaus hier eigene
Räume besaß, wussten die meisten Besucher der Führung noch nicht. Auch dass das im nahen
Wäldchen bis etwa 2010 vorhandenen gewesene Schuppengebäude ebenfalls noch aus 1872
stammte und damit als älteste in Lippe erhaltene Bahnhofsgebäude war, überraschte die
Zuhörer.

Breiten Raum nahm im Vortrag die Frage ein, was die Bahn nun Lippe und vor allem auch
Schieder gebracht hat. Die Eisenbahnfreunde verweisen in diesem Zusammenhang zum
Beispiel auf das in Lippe besonders verwurzelte Zieglerwesen. Hier berichtete Soppa von der
Arbeit des Ziegler-Gewerkvereins, der mit der Preußischen Eisenbahn über Fahrpreise,
Haltestellen und Fahrpläne für seine Ziegler verhandelte. Auch in Schieder habe es
möglicherweise lange Ziegler-Sonderzüge gegeben, die dann ins Rhein-Main-Gebiet oder
Richtung Norddeutschland gefahren sind.

Buchautor Konrad Soppa von den Eisenbahnfreunden Lippe kennt sich mit lippischer Eisenbahngeschichte gut aus. (Foto: Klaus Schuler)

Ebenso war der Entwicklungsschub, den die Ortschaften entlang der Bahnschienen
genommen nahmen, Teil des Vortrages.

Im Nachgang zur Führung ergaben sich noch sehr interessante Einzelgespräche. Klaus Schuler
und Konrad Soppa von den Eisenbahnfreunden gaben sich am Ende sehr zufrieden. Das
positive Feedback der Besucher habe gezeigt, wie wichtig diese Führung gewesen sei.

Konrad Soppa (02.10.2022)