Themenanlage Puttgarden

Die Geschichte der Themenanlage Puttgarden beginnt im Jahre 1992, als der Bundesverband Deutscher Eisenbahnfreunde (BDEF) seine Mitgliedsvereine zur Teilnahme am Anlagenwettbewerb “Eisenbahnen und Landschaften” einlud. Schon in den 80er Jahren hatte sich die Jugend der Eisenbahnfreunde Lippe mit der Vogelfluglinie beschäftigt und griff nun das Thema wieder auf, um sich mit einer Anlage zu bewerben, die die Insel Fehmarn mit dem Fährbahnhof Puttgarden und der markanten Fehmarnsundbrücke zum Vorbild hat.

Die Vogelfluglinie aus der Vogelperspektive.

Nach der Planungsphase, während  neben entsprechender Literatur auch das Vorbild selbst intensiv erkundet und dokumentiert wurde, konnte es an die Arbeit gehen. Wir entschieden uns mit Rücksicht auf Gewicht und Ausmaße bzw. Platzverbrauch für eine U-förmige Anlage in der Spurweite Z (1:220).

Neben den markanten Bauwerken, wie der Fehmarnsundbrücke und dem Verladebahnhof mit Fähranleger wurden auch viele kleine Details mit hohem Wiedererkennungswert untergebracht. Eines davon ist beispielsweise die unmittelbar vor der Fehmarnsundbrücke auf dem Festland liegende Aral-Tankstelle, an der jeder Fehmarnurlauber vorbeikommt. Folglich werden wir von Ausstellungsbesuchern immer wieder auf die Tankstelle angesprochen.

Doch betrachten wir die Anlage einmal der Reihe nach, so, wie sie sich aus der Perspektive eines Zug- oder PKW-Insassen beim Vorbild ergeben würde:

Anlagenbeschreibung

Beeindruckendes Bauwerk der Vogelfluglinie: die Fehmarnsundbrücke

Die Fahrt beginnt zunächst auf dem Festland. Die Züge treten hier aus einem Schattenbahnhof kommend unter einer Straßenbrücke hervor ans Tageslicht und gehen hier nach Verlassen eines kleinen Betriebsbahnhofes (im Vorbild: Großenbrode) auf die freie Strecke über. Von Beginn an leistet ihr dabei linksseitig die Europastraße 47 Gesellschaft. Die Fahrt verläuft bereits in einer Steigung; und nach einer 90°-Kurve und einem hohen Damm wird die riesige, auch in Spur Z noch imposante Fehmarnsundbrücke erreicht, welche neben der eingleisigen Hauptbahn auch die E 47 trägt. In der Mitte der einem Kleiderbügel nicht unähnlichen Bogenbrücke, befindet sich der Scheitelpunkt, von nun an geht es wieder bergab.

Auf Fehmarn angekommen, folgt wieder eine 90°-Kurve; die Europastraße entfernt sich ein wenig. Die folgende S-Kurve ist der möglichst kompakten Bauweise geschuldet, denn auf dem folgenden Segment wird der Betriebsbahnhof “Burg West” dargestellt, welcher zur rechten Seite hin über ein Gleisdreieck verfügt und daher etwas mehr Platz benötigt. Das Gleisdreieck bindet die frühere Inselbahn Fehmarnsund – Burgstaaken – Burg – Petersdorf – Orth an die erst 1963 gebaute Hauptstrecke an. Beide Stichstrecken sind auf dem Segment auch angedeutet, das Gleisdreieck ist zudem auch zum Wenden von Zügen nutzbar. Auf die weitergehende Darstellung der Inselbahn haben wir jedoch verzichtet. Nach einer weiteren S-Kurve verläuft die Strecke wieder in der typischen Insel-Landschaft durch Felder und Wiesen hindurch, um kurz darauf in den Personenbahnhof Puttgarden einzubiegen. Beim Vorbild kamen vorher noch die umfangreichen Anlagen des Güterbahnhofs, die auf unserer Modellbahnanlage jedoch den Rahmen gesprengt hätten.

Fährbahnhof Puttgarden, mit den Anlagen des Personenverkehrs im Vordergrund und dem Fähranleger im Hintergrund.

Im Bahnhof Puttgarden wird die Fahrt zunächst unterbrochen. Züge des Nahverkehrs enden hier, Güterzüge werden ggf. umgebildet, bevor es auf das Fährschiff geht. Auch die meisten Fernzüge werden hier nach kurzem Aufenthalt von einer Rangierlok über die Anlegerampe in ein bereitstehendes Fährschiff geschoben. Lange Züge müssen ggf. getrennt werden. Auf einem unserer Fährschiffe haben wir tatsächlich vorbildgerecht drei nebeneinander liegende Gleise untergebracht, sodass dort theoretisch bis zu 9 Personenwagen untergebracht werden können. Die beinahe schon als Nano-Technik zu bezeichnende Selbstbau-Dreiwege-Weiche konnten wir leider bis heute nicht betriebssicher und fernsteuerbar fertigstellen; hier sind den Möglichkeiten durch die Miniaturisierung noch Grenzen gesetzt.

Der Fähranleger von der Wasserseite aus gesehen.

Die Fährschiffe “Deutschland”, “Theodor Heuss” und “Karl Carstens” haben wir aus einem Papierbausatz im Maßstab 1:250 mit selbstangefertigtem Schiffsrumpf schwimmfähig hergestellt. Im Rumpf liegen zwei Antriebe, die über flexible Kabel von außen mit Strom versorgt und gesteuert werden. Davon abweichend hat unsere “Theodor Heuss” nur einen Antrieb, dafür aber ein Ruderblatt sowie Energieversorgung über Batterien und Funkfernsteuerung. So ist es also möglich, den kompletten Ablauf der Trajektion im mit echtem Wasser gefüllten Hafenbecken nachzustellen; von der Ankunft des Zuges, seiner Verladung, bis hin zum Ablegen des Fährschiffes. Für uns sind die Gesichtsausdrücke der Betrachter allein schon Lohn und Bestätigung für die Arbeit, wenn diese ungläubig auf die kleinen Züge blicken, die dort gerade verladen werden (“sehr schön, aber Ablegen könnt ihr damit doch bestimmt nicht?”), sich dann aber plötzlich das frisch beladene Fährschiff in Bewegung setzt, und eine Ehrenrunde im Hafenbecken dreht, ehe es dann wieder anlegt und entladen wird.

Ausstellungen und Auszeichnungen

Anlässlich des Viaduktfestes 2013 stellten wir erstmals seit längerer Zeit wieder unsere Puttgarden-Anlage aus, hier kurz nach dem Aufbau in der Sporthalle der Hauptschule Altenbeken.

Gerade noch rechtzeitig für die Internationale Modelleisenbahnausstellung 1992 in Köln konnte die Anlage fertig gestellt werden. Die letzten Arbeiten wurden noch morgens vor Messebeginn an der bereits aufgebauten Anlage vorgenommen. Der Anlagenwettbewerb brachte uns dann zwei Preise ein; darunter einen Sonderpreis, weil wir die einzige Jugendgruppe unter den Teilnehmern waren. Dieser wurde uns von der damaligen Bundesministerin für Jugend und Familie, Frau Angela Merkel überreicht.

In der Folgezeit nahmen wir mit der Puttgarden-Anlage noch an vielen weiteren Messen und Ausstellungen teil:

  • 05.11. – 09.11.1992: 10. Internationale Modellbahnausstellung Köln
  • 03.11. – 07.11.1992: 11. Internationale Modellbahnausstellung Stuttgart
  • 20.11. – 21.11.1993: Ausstellung IGE Bad Homburg
  • 13.04. – 17.04.1994: 16. Intermodellbau Dortmund
  • 03.11. – 07.11.1994: 12. Internationale Modellbahnaustellung Köln
  • 25.11. – 27.11.1994: Eurospoor 1994 Utrecht / Niederlande
  • 17.10. – 20.10.1996: Modell & Hobby 1996 Leipzig
  • 11.10. – 19.10.1997: 15. Internationale Modellbahnaustellung Hannover
  • 01.10. – 04.10.1998: 4. Lippstädter Modelleisenbahntage
  • 29.10. – 01.11.1999: Modellbahn Süd Stuttgart

Verbleib und Zukunft

Neu erstellte Kurve als Ersatz für das vorher zu enge und zu steile Kurvensegment.

Die vielen Ausstellungen und der Zahn der Zeit haben natürlich ihre Spuren an der mittlerweile über 25 Jahre alten Anlage hinterlassen. Viele kleine Schäden mussten ausgebessert werden, und auch die verwendeten Streumaterialien mussten teilweise erneuert werden. Mehrere andere Anlagenprojekte wurden verwirklicht; so konnten wir also auch mal etwas anderes, neues zeigen, was nach der mehrjährigen “Tournee” der Puttgarden-Anlage und ihrem dadurch erreichten hohen Bekanntheitsgrad auch geboten war. Die anderen Projekte bindeten natürlich unsere Zeit und Puttgarden selbst schien uns nicht mehr unbedingt gefragt; so unterblieb dann erstmal die nötig gewordene Generalrenovierung. Eine mehrtägige Ausstellung im Dauerbetrieb vor Fachpublikum wollten wir ihr nicht mehr zumuten, da auch die technische Zuverlässigkeit dafür nicht mehr ausreichend war. Nur für besondere Anlässe oder kleinere Ausstellungen holten wir sie mehrfach wieder aus dem Keller. Von Mal zu Mal wurde uns aber die Dringlichkeit immer bewusster, dass an Landschaft und Technik unbedingt etwas getan werden muss. Zudem war die Anlage natürlich nicht frei von konstruktiven Schwächen und Provisorien. So entstand schon früh der Wunsch, auch längere Züge fahren zu können. Bisher verhindern die Rampen vor und hinter der Brücke, im Schattenbahnhof, sowie die teils recht engen Radien Zuglängen von mehr als 4 oder 5 Wagen.

Nachdem die Puttgarden-Anlage 2010 anlässlich unseres Frühlings-Basares noch einmal in Betrieb genommen und der Öffentlichkeit gezeigt wurde, begannen die ersten Vorarbeiten zur grundlegenden Renovierung der Anlage. Dazu wurden alle Segmente erst einmal vermessen und dokumentiert. Insbesondere die beiden 90°-Kurven sollten möglichst schnell erneuert werden, da sie mit ihren engen Radien und der starken Steigung für lange Züge ein Hinderniss darstellen. An ihre Stelle treten Austausch-Segmente mit entsprechend praxistauglicheren Radien und Steigungen. Zudem werden die Kopfstücke so angepasst, dass die Kurven auch weggelassen werden können; das ermöglicht uns auch alternative Aufbaukonzepte, z.B. als langgestreckte Anlage, anstelle der bisherigen U-Form. Nach den Kurven werden auch das Festland mit seinem Schattenbahnhof und der Bahnhof Burg West überarbeitet. Auch an Langfrist-Visionen mangelt es nicht: immer noch träumen wir von der Realisierung der “anderen Seite”, also die Nachbildung auch des gegenüber auf dänischer Seite liegenden Rødby oder auch der kompletten Strecke nach Burg (Fehmarn), die inzwischen auch beim Vorbild reaktiviert wurde.

Ende 2012 war das Segment “Festland” im Rohbau fertiggestellt, die Gleise größtenteils verlegt und geschottert, sodass wir 2013 mit dem ersten neugebauten Segment am Vivat Viadukt-Fest in Altenbeken teilnehmen konnten. Nach einigen anstehenden Überarbeitungen des Segments “Festland” soll dann zugleich die Erneuerung weiterer Segmente in Angriff genommen werden.

Durch die schrittweise Vorgehensweise bleibt uns immer eine vollständige, betriebsfähige Anlage verfügbar, die nach und nach behutsam ihr Gesicht verändert und uns somit auch langfristig treu bleibt. Übrigens sind es auch heute wieder Jugendliche, die sich der Aufgabe angenommen haben, die Anlage zu überarbeiten.

Christian Schulz