Registrierung nur für Mitglieder der Eisenbahnfreunde Lippe e.V. Das Konto wird erst nach einer Überprüfung aktiviert.

Login

Anhalter Bahnhof

Das Modell des Anhalter Bahnhofs Berlin und sein Vorbild

Das Modell des Anhalter Bahnhofs gliedert sich in 4 Themenbereiche. Dieses sind der Personenbahnhof, die Brücke über den Landwehrkanal mit der Hochbahn, das Gleisvorfeld mit der Güterabfertigung sowie dem Betriebswerk und die kreuzungsfreie Ausfädelung auf die Strecke. Diese Größe hatte das Modell nicht von Anfang an, sondern wurde nach und nach erweitert, verschönert und verbessert. Das Modell gibt den Zustand in den 1930er Jahren wieder.

 

Der Personenbahnhof

Mit diesem begann der lange Weg bis zum heute vorhandenen Modell. Beim Nachbau des Anhalter Bahnhofs war es von Vorteil, dass es von der imposanten Bahnhofshalle einen Papiermodellbaubogen gab. Das Papiermodell wurde mit Holzleisten verstärkt und die Größe der Segmente so gewählt, dass sie sich noch im Auto transportieren ließen. Dieses ursprüngliche entstandene Papiermodell war nach vielen Messebesuchen so stark beschädigt, dass es durch die heutige Papierkonstruktion, die auf Holzplatten gezogen ist, ersetzt wurde. Im Vergleich zum Ursprungsmodell ist das neue Bahnhofsgebäude detailreicher, weil mehr Verzierungen hervorgehoben werden. Das Dach des Bahnhofs wurde abnehmbar, in Spantenbauweise gebaut, um entgleiste Züge wieder aufgleisen, die Schienen reinigen und Loks abkoppeln zu können. Bei den im Bahnhofsumfeld stehenden Gebäuden konnte kaum auf bestehende Modelle der gängigen Hersteller zurückgegriffen werden. Fast alle Gebäude wurden anhand von Grundrissen und Fotos in Papier- oder Kunststoffbauweise selbst konstruiert und gebaut. Auch an den Gleisanlagen wurden diverse Änderungen im Lauf der Jahre vorgenommen. Am auffälligsten sind die Änderungen der Gleise in der Bahnhofshalle. Von den ursprünglichen 2 Gleisen, die zwischen den Bahnsteigen lagen, sind mittlerweile 3 wie im Original geworden. Dieses hat den betrieblichen Vorteil, dass beim Umsetzen der Loks nicht vorher eine weitere Lok die Wagen rausziehen muss, sondern die Lok den Zug einmal umfahren kann.

Der Landwehrkanal

Der Landwehrkanal war am Anfang nur ein Segment von ca. 30 cm Breite, auf dem für den Fahrbetrieb erforderliche Weichen lagen. Von einem Kanal war weit und breit keine Spur. Dieses Modul rückte mit dem Bau des Landwehrkanals eine Position nach hinten. Beim Bau des Landwehrkanals bestanden die gleichen Probleme wie bereits beim Bau des Personenbahnhofs. Gebäude oder Brückenbausätze waren von den gängigen Herstellern nicht zu bekommen. So entstand die viergleisige Bahnbrücke über den Kanal in Holzbauweise und die darüber verlaufende Kastenbrücke der Hochbahn als Kunststoffkonstruktion. Die weiteren Teile der Hochbahn wurden wieder aus Holz konstruiert. Die Gebäude am Halleschen und Tempelhofer Ufer sind Papierkonstruktionen. Durch die Erweiterung des Segmentes an beiden Seiten wurde die Hochbahn betriebsfähig und mit einer Steuerung versehen, so dass kein Personal für den Betrieb der Hochbahn erforderlich ist. Da die Landwehrkanalbrücke der Hochbahn inzwischen verschlissen ist, wird sie in Kürze durch eine gelötete Messingkonstruktion ersetzt.

mod 2010-01-24 16-09-40 cs

Das Gleisvorfeld mit Güterabfertigung und Betriebswerk

Dieser Bereich entstand aus dem 30 cm breiten Segment mit den für den Betrieb erforderlichen Weichen. Aufgrund der umfangreichen Gleisanlagen beim Original mussten beim Modell Abstriche gemacht werden. Ein originalgetreuer Nachbau hätte nicht nur den räumlichen Rahmen, sondern auch das Budget gesprengt. So wurden die Gleisanlagen an die Rahmenbedingungen angepasst. Dabei wurde darauf geachtet, dass die markanten Bauwerke wie Güterabfertigung und Betriebswerk gut zur Geltung kommen. Insbesondere die beiden Drehscheiben mit den großen Ringlokschuppen prägen diesen Bereich. Die Gebäude wurden wieder nach bewährtem System selbst gebaut. Für den Betrachter entsteht so der Eindruck, dass alles wie im Original ist.

Die Ausfädelung

Parallel entstand eine Ausfädelung um den Anschluss an die N-Module des Vereins sicher zu stellen. Dieses Segment hat nichts mehr mit dem Original zu tun und ist den betrieblichen Erfordernissen geschuldet. Zwar bräuchte man keine Ausfädelung, aber dann wäre jeder Zug im Anhalter Bahnhof gelandet, was für einen schönen Fahrbetrieb nicht gerade förderlich ist. Mit der Ausfädelung besteht die Möglichkeit gezielt einzelne Züge in den Bahnhof zu holen und andere auf der Strecke weiter fahren zu lassen. Die ursprüngliche Ausfädelung war nicht kreuzungsfrei und hatte daher im Messebetrieb einige Schwachstellen. Mittlerweile ist sie durch eine kreuzungsfreie Ausfädelung ersetzt. Die ursprüngliche Ausfädelung wird mittlerweile auf Messen als Gleisdreieck eingesetzt.

Die Steuerung

Einen erheblichen Aufwand bedeutet die Steuerung der Anlage. Zum Einen bedingt durch die Größe, die zahlreichen Gleise und Weichen / Kreuzungen, und zum Anderen durch die Erforderniss, mehrere Züge gleichzeitig fahren zu können, wurde eine komplexe Steuerung entwickelt, deren Basis die Verwendung mehrerer Fahrregler und zahlreicher Einspeisestellen ist. Jede dieser Einspeisestellen kann wahlweise zwei verschiedenen der insgesamt vier Fahrregler zugeordnet werden. Zudem wurde allen Weichen über Relais das „Denken“ beigebracht, so daß der Fahrstrom sich von der Einspeisestelle aus stets über die Weichenstellungen fortsetzt. Die Ausleuchtung auf den Stellpulten folgt dieser Logik, so daß immer ersichtlich ist, welches Gleis gerade spannungsführend und welchem Fahrregler zugeordnet ist. Damit ist es möglich, insgesamt vier Züge gleichzeitig und unabhängig voneinander zu fahren, was aber große Aufmerksamkeit des Personals erfordert. Dazu bestehen drei Stellpulte für die verschiedenen Bereiche des Bahnhofs, außerdem noch mehrere Netzteile zur elektrischen Versorgung. Der Bereich der Ausfädelung läuft weitgehend automatisch, was das Personal wesentlich entlastet, denn so werden die Züge selbsttätig auf die Strecke gebracht, sobald diese frei ist.

Verwendung der Anlage

Auf Grund ihrer Größe kann der Anhalter Bahnhof nicht vollständig in unserem Vereinsheim aufgebaut werden. Er wird daher vor allem für Ausstellungen verwendet, auf denen ausreichend Platz ist. So ist er seit vielen Jahren regelmäßig auf den Lipper Modellbautagen in Bad Salzuflen zu Gast, wo er zusammen mit der großen Modulanlage gut zur Geltung kommt.

original 2013-01-20 16-15-02 cs

Das Original

Der Personenbahnhof wurde 1880 fertig gestellt und ersetzte ein Gebäude aus dem Jahr 1841 (Eröffnung des Bahnhofs). Ursprünglich gehörte der Bahnhof der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn. Diese wurde 1882 vom preußischen Staat übernommen. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs 1918 übernahm ihn die deutsche Reichsbahn. Im zweiten Weltkrieg erlitt der Bahnhof schwere Schäden. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs erlebte der Bahnhof noch mal eine kurze Blütezeit mit z.B. 1951 7 Schnellzugpaaren und 12 Personenzugpaaren. Doch die Tage des Anhalter Bahnhofs waren gezählt. In den Westzonen (gehörte aber der Reichsbahn) gelegen und nach Dresden führend konnte es die DDR nach Einführung der DM nicht tolerieren, dass ihre Fernzüge in ein fremdes Währungsgebiet fuhren. Die DDR baute den südlichen Güteraußenring so um, dass die Züge anstatt in den Anhalter Bahnhof in den Ostbahnhof fahren konnten. Diese Umbaumaßnahmen waren 1952 abgeschlossen und der Personenverkehr im Anhalter Bahnhof endete am 17.05.1952. Die Abbrucharbeiten am Personenbahnhof begannen 1959 und endeten 1965. Heute ist nur noch das Eingangsportal erhalten. Der Güterbahnhof des Anhalterbahnhofs wurde bis zu letzt von der Reichsbahn genutzt, wenn auch nur in geringen Umfang. Der den meisten bekannte verbliebene Teil des Anhalter Bahnhofs ist das Betriebswerk in dem heutzutage das Verkehrsmuseum untergebracht ist.

Lars Goedeke

   
Copyright © 2017 Eisenbahnfreunde Lippe e.V.. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.